06.09.2011 - 12. LesBiSchwule Tour zu Gast in Guben

AIDS-Hilfe Lausitz e.V. unterstützt Kampagnenteam


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Die am 03. September in Potsdam eröffnete LesBiSchwule Tour 2011 hatte für den Besuch in Guben am 06. September ordentlich Sonne gebucht. Bei sommerlichem, beinahe wolkenfreiem Himmel, packten die Tourteilnehmer_innen beherzt den Transporter aus. Emsig wurden Kisten, Taschen und Kartons mit Infomaterial, Kondomen und Aufklebern auf den Parkbänken des wohl zentralsten Platzes in Guben gestapelt. Am "Dreieck" läuft und fährt der Gubener Alltag, so scheint es. Geradezu idyllisch wirken die liebevoll geschnittenen Bäume am Straßenrand, die grünen Beetanlagen und die verträumt plätschernden Wasserspiele. Im Schatten sitzen die ersten Einwohner_innen und schauen zu, wie die angereisten Tourteilnehmer_innen aufbauen. Zwischendurch flitzt ein Fernsehteam; die regionale Presse zückt den Kugelschreiber.

So ganz idyllisch ist der heutige Tag in Guben nicht, denn im Vorfeld hatte es viel Stress gegeben, meint Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange des Landes Brandenburg, in einem Interview. Die Regenbogenflaggenhissung wurde seitens der Stadt Guben nicht erlaubt, was wohl ein deutliches Zeichen ist.



Zwei Lesben machen am Stand Halt und wundern sich über die Haltung der Stadt nicht. "Hier in Guben homosexuell unterwegs zu sein, ist kein Spaziergang", so die Gubenerinnen. Angebote für Homosexuelle gibt es in Guben nicht. Das Thema scheint auf keinem Tisch zu liegen und selbst in Fachkräftekreisen scheinen queere Themen bisher keine Rolle gespielt zu haben. Doch wo sind die 10% der Gubener Bevölkerung, die homo-, bi-, trans-, inter- oder asexuell leben? Bei all den liebevoll sanierten Straßen und Plätze scheinen zwischenmenschliche Beziehungen und Angebote rund um gleichgeschlechtliche Lebensweisen noch nicht an der Tagesordnung gewesen zu sein. Zur Normalität gehören diese Themen jedenfalls noch nicht.

IMG 8248 protTrotz der Ablehnung zur Regenbogenflaggenhissung hat das Tourteam das Fähnchen ersatzweise an einem Straßenschild gehisst. "Jetzt sieht man uns", sagt Lars Bergmann mit einem Lächeln im Gesicht. Ein junger Mann setzt sich zögerlich in sicherem Abstand zur Regenbogenfahne auf eine Parkbank. Eine Tourteilnehmerin zückt einen Flyer und setzt sich neben ihn. Die Passanten sind in Guben leichter in Gespräche zu verwickeln. Das Fernsehteam fängt Äußerungen, Haltungen und Ängste ein. Sie wollen heute ein reales Bild zum Thema Homosexualität und Coming Out im ländlichen Raum einfangen - eine schwere Aufgabe.

Der AIDS-Hilfe Lausitz e.V. unterstützte auch in Guben die ehrenamtlichen Tourbegleiter_innen. Das Kampagnenteam veranstaltete am Abend eine Lesung in der Stadtbibliothek und wird in den folgenden Tagen die Städte Eisenhüttenstadt, Frankfurt/Oder, Wriezen und Szczecin (Polen) bereisen.


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Weitere Informationen zur 12. LesBiSchwulen Tour 2011 findet Ihr auf www.brandenburg-bleibt-bunt.de


Text/Videoschnitt: Christian Müller  -  Fotos/Videos: Stefan Fiedler