06.07.2011 - CSD Cottbus FORUM bringt Motto

Was braucht ein Christopher Street Day in Cottbus?
FORUM findet Motto und Sichtweisen


Logo CSD Cottbus 2011Der Christopher Street Day (CSD) geht auf die im Jahr 1969 initiierte Homosexuellenbewegung in New York zurück. Schon vor über vierzig Jahren sind Menschen auf die Straße gegangen, um für die Rechte der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender zu kämpfen. Die damaligen willkürlichen Eingriffe durch die Polizei wollte man sich nicht länger bieten lassen.

Sind die Probleme von "Damals" Geschichte?
Trotz über vierzig Jahre Homo- und Transsexuellenbewegung sind noch lange nicht alle Ziele erreicht. Am 06.07.2011 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher Vereine und Organisationen, um über den diesjährigen CSD in Cottbus zu sprechen. Eingeladen hatte der Trägerverein des CSD Cottbus, der AIDS-Hilfe Lausitz e.V.. Gemeinsam waren die Teilnehmer_innen des 1. CSD Cottbus FORUM auf der Suche nach einem Motto für den diesjährigen Christopher Street Day in Cottbus. Lars Bergmann (Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange des Landes Brandenburg) morderierte die Veranstaltung.

Wo soll ein CSD in und für Cottbus ansetzen?
Vielfältige Stories und Erfahrungsberichte wurden auf den Tisch gepackt. Es gibt nicht nur Probleme; in den letzten Jahren wurde auch schon viel erreicht, da war man sich einig. Gemeinsam schauten die Teilnehmer_innen in die ländliche Praxis. Konsenz fand die Feststellung: Die Zielgruppe, die Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender sind in Cottbus und der Umgebung nicht mehr sichtbar. Das liegt nicht etwa daran, dass diese Menschen nicht oder nicht mehr vorhanden sind; es gibt Gründe, warum die sogenannte Szene nirgends vor Ort in Erscheinung tritt.

Neben vielen Ideen und Anregungen, geht es 2011 vor allem um die Botschaft, miteinander sichtbarer zu werden. Wer sich kaum traut in die Öffentlichkeit zu gehen, brauch sich nicht zu wundern, dass an den noch immer vorliegenden Problemen nicht oder nur bedingt gearbeitet wird. Also raus aus der Wohnung, hoch von der Couch und ab zum CSD Cottbus am 17.09.2011.

Von der Idee zum Motto...
Die Teilnehmer_innen aus Cottbus, Drebkau, Spremberg, Forst und Potsdam einigten sich mehrheitlich auf das Motto zum diesjährigen Christopher Street Day in Cottbus. "Komm raus, Cottbus!", so lautet der Slogan und gleichzeitig die Forderung in die "eigenen Reihen" und in die Reihen derer, die sich bisher mit der queeren Thematik nicht beschäftigt haben.

Eckpunkte der Diskussion...
"Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt wissen nicht, wie es um die Belange der Homo- und Transsexuellen steht. Wer glaubt, dass Homo- und Transsexuelle alle notwendigen Rechte haben, der irrt sich gewaltig." Es fehlt vor allem Aufklärungsarbeit in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen. Bildung ist an dieser Stelle ganz klar gefragt. Wer glaubt, dass in Cottbus alles im grünen Bereich ist, der irrt. Anfeindungen, Irritation und Unverständnis, gepaart mit Homo- und Transphobie gehören zum Alltag. Wer das nicht glaubt, soll sich seinen nächsten gleichgeschlechtlichen Arbeitskollegen schnappen, ihn oder sie an die Hand nehmen und nebeneinander durch das Stadtzentrum laufen. Das "Experiment" bringt immer wieder die gleiche Erkenntnis: Es gibt Reaktionen, die eindeutig machen, dass von Akzeptanz, Toleranz oder gar Weltoffenheit keine Rede sein kann.

Es soll in der Diskussion aber auch nicht "nur" um "Einzelschicksale" gehen. Wie steht es um queere Themen in den Bereichen, Gesundheit, Wirtschaft, Verwaltung, Sozialer Arbeiten? Wie erleben "professionelle Fachkräfte" im Arbeitsalltag Homo- und Transsexuelle? Wie fit sind unsere Beratungsstellen und wie sensibel gehen Dienstleister_innen vor? Welche queeren wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien sind im Land Brandenburg vorhanden?
Die Teilnehmer_inn öffnenten einen Topf nach dem anderen. Trotz positiver Aspekte, gibt es noch eine Menge Fragen und auch Forderungen, die im Rahmen des CSD Cottbus ein Rolle spielen werden. Wir dürfen gespannt sein, wieviele Regenbogenfahnen (das Symbol der Homo- und Transbewegung) am 17.09. am Rathaus sichtbar werden.


Text: Christian Müller