HIV und Aids

rote schleifeAls HIV-positiv wird jede Person bezeichnet, bei der das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) direkt oder indirekt im Blut nachgewiesen wurde. Mehrere Tage bis drei Monate nach der Ansteckung mit dem HI-Virus, selten länger, kann es zur akuten HIV-Erkrankung kommen: Die Symptome sind unspezifisch und denen eines grippalen Infekts ähnlich. Es folgt ein krankheitsfreies Intervall von mehreren Jahren bis Jahrzehnten.

In dieser Situation ruht die HIV-Infektion jedoch nicht, wie man früher annahm. Vielmehr handelt es sich um ein dynamisches Geschehen, bei dem jeden Tag Milliarden neuer Viren entstehen beziehungsweise abgetötet werden. Im späteren Verlauf kommt es zunehmend zu typischen Beschwerden. Das Vollbild einer Aids-Erkrankung ist von Gewichtsabnahme, schweren Infektionserkrankungen und bestimmten Krebsarten gekennzeichnet. Durch gezielt gegen die Vermehrung des HI-Virus wirkende – so genannte antiretrovirale – Medikamente können der Ausbruch beziehungsweise das Fortschreiten der HIV-Infektion heutzutage sehr lange hinausgezögert werden. 

Eine HIV-Infektion wird mittels Antikörpern diagnostiziert, die gegen HI-Viren gerichtet sind. Sind solche Antikörper im Körper vorhanden, müssen HI-Viren in den Körper eingedrungen sein, der Test wird dann als positiv bezeichnet. Um Sicherheit zu gewinnen, sollten drei Monate nach einer möglichen Ansteckung bis zum HIV-Test vergehen. Diese Zeit etwa braucht der Körper, um Antikörper zu bilden. Heutzutage ist auch ein schneller, aber kostenintensiver Direktnachweis des Virus möglich.


Definition
Aids ist die Abkürzung für Acquired Immuno Deficiency Syndrome (Erworbenes Immundefekt-Syndrom), HIV für Human Immunodeficiency Virus (Humanes Immundefizienz-Virus).

Die HIV-Infektion verläuft in mehreren Stadien. Nach der Zahl der im Blut vorhandenen T-Helferzellen wird dem jeweiligen Buchstaben ein Zahlenwert zugewiesen, sodass eine Klassifizierung von A1 bis C3 entsteht (mehr als 500 T-Helferzellen/µl Blut = 1, 200 bis 499 T-Helferzellen/µl Blut = 2, weniger als 200 T-Helferzellen/µl Blut = 3).

Die Erkrankung Aids ist Stadium C der HIV-Infektion.

Weltweit gibt es ca. 39,5 Millionen HIV-Infizierte. Über 95 Prozent davon leben in den armen Ländern, vor allem in Afrika. Nur der kleine Anteil der HIV-Infizierten aus den westlichen Industriestaaten hat dank moderner Gesundheitssysteme die Möglichkeit, eine dem aktuellen wissenschaftlichen Standard entsprechende Therapie zu erhalten. Die Fortschritte der Forschung, namentlich die zügige Entwicklung immer neuer Medikamente, haben zu einer erheblichen Lebenszeitverlängerung der Betroffenen geführt: Das Auftreten von Aids wird hinausgezögert, die Krankheit ist gewissermaßen behandelbar, wenn auch nicht heilbar geworden. Die HIV-Infektion wandelt sich dadurch von einer akuten Lebensbedrohung zu einer chronischen Erkrankung, die bei gut funktionierender Therapie auch über Jahre nur wenige Einschränkungen mit sich bringt. Diese Situation führt allerdings gerade in den reichen Ländern zu einer deutlichen Abnahme der Vorsichtsmaßnahmen (Safer Sex u.Ä.), die Menschen wähnen sich scheinbar in Sicherheit. Aids ist jedoch weiterhin eine tödliche Krankheit. In Afrika dagegen ist Aids mittlerweile für eine Reihe von Staaten zur Existenzbedrohung geworden.


Ursachen

Erreger

Die Krankheit Aids wird durch das einzelsträngige RNA-Virus Human Immuno Deficiency Virus (HIV) verursacht, dass zur Gruppe der Retroviren gehört. Diese wiederum stammen aus der Familie der Lentiviren.

Zwei Arten von HIV sind bekannt: HIV-1, das weltweit vorkommt, und HIV-2, das hauptsächlich in West-Afrika zu finden ist.


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HI-Virus

Die beiden Virus-Typen unterscheiden sich in ihrer RNA-Sequenz und im Ausmaß ihrer krankmachenden Eigenschaften (Virulenz). So ist HIV-2 dem SIV ("Affen-AIDS-Virus") von Grünen Meerkatzen genetisch ähnlich, HIV-1 dagegen ähnelt dem SIV von Schimpansen. Mithilfe molekularbiologischer, statistischer und mathematischer Verfahren konnte die Übertragung eines SIV-Subtypen auf den Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wahrscheinlich um 1930, als hochwahrscheinlich nachgewiesen werden.

Eiweiße auf der Hülle des HI-Virus sind in der Lage, an bestimmten Bindungsstellen (Rezeptoren) auf der Oberfläche menschlicher Immunzellen anzudocken. Zu diesen Immunzellen gehören T-Helferzellen, Langerhans-Zellen der Haut und Fresszellen (Makrophagen). Die Zellen werden durch das Virus zerstört, sodass es langfristig zu einer Schwächung des Immunsystems kommt.


Symptome

Wichtig ist die Unterscheidung von HIV und Aids. HIV bezeichnet die Infektion mit dem Virus, die nach einer variablen Inkubationszeit zur Krankheit Aids führen kann. Ein HIV-Infizierter ist somit gesund, bis er erstmals an einer "Aids-definierenden Krankheit" erkrankt.

Nach erfolgter HIV-Infektion werden drei Stadien unterschieden. In Abhängigkeit von der aufgetretenen Aids-definierenden Krankheit werden zur Stadieneinteilung die Großbuchstaben A, B oder C verwendet. Nach der Zahl der im Blut vorhandenen T-Helferzellen wird dem jeweiligen Buchstaben ein Zahlenwert zugewiesen, sodass eine Klassifizierung von A1 bis C3 entsteht

mehr als 500 T-Helferzellen/µl Blut = 1
200 bis 499 T-Helferzellen/µl Blut = 2
weniger als 200 T-Helferzellen/µl Blut = 3

Therapie

HIV und Aids sind wissenschaftlich gesehen sehr junge Phänomene. Die Forschungszeit geht erst ins dritte Jahrzehnt. Dies führt immer wieder dazu, dass neue Erkenntnisse revidiert werden müssen oder Uneinigkeit zwischen verschiedenen Forschergruppen besteht. Allgemein akzeptiert ist, dass der Therapiebeginn in der Regel individuell mit dem Patienten abzuklären ist. Um eine Resistenzentwicklung zu vermeiden, müssen die Betroffenen eine große Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme aufbringen. Ein vertrauensvolles, offenes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist dafür unerlässlich. Ziel der Therapie ist es, einer symptomatische HIV-Infektion so lange wie möglich herauszuzögern.

Verlauf

Der Verlauf einer HIV-Infektion und einer Aids-Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Tage bis Monate nach der Ansteckung mit dem HI-Virus kommt es zur akuten HIV-Erkrankung. Die Symptome sind zunächst unspezifisch und denen eines grippalen Infekts ähnlich. Es folgt ein krankheitsfreies Intervall von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. Dann kommt es zum Vollbild der Aids-Erkrankung mit typischen Symptomen wie Gewichtsabnahme, schweren Infektionserkrankungen und bestimmten Krebsarten.

Die Prognose von HIV und Aids ist in den letzten Jahren durch die Einführung immer neuer Medikamente mit verschiedenen Wirkmechanismen erheblich verbessert worden. Ungünstige Prognosefaktoren sind unter anderem eine erhöhte Viruslast (mehr als 10.000 Kopien pro Milliliter) zum Zeitpunkt der Diagnose, ein Anstieg der Viruslast und eine persistierende Viruslast über 10.000 Kopien pro Milliliter sowie ein Abfall der T-Helferzell-Zahl. Wenngleich Aids bis heute nicht heilbar ist, so hat die Sterblichkeit im Vergleich zu früher deutlich abgenommen.


Vorbeugen
Umgang mit erwachsenen HIV-Infizierten

Aus der Tatsache, dass eine Infektion nur über Blut, Sperma und Vaginalsekret und nicht jedoch über eine Tröpfcheninfektion erfolgt, ergeben sich die empfohlenen Verhaltensweisen im Umgang mit infizierten Personen.

Jeder alltägliche soziale Kontakt im Beruf und Privatleben mit Händereichen, Umarmen und Ähnlichem ist völlig unbedenklich.

Auch das gemeinsame Benutzen von Besteck, Geschirr, Gläsern, Toiletten oder Handtüchern ist unbedenklich.

Es gibt keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko für Menschen, die mit einer infizierten Person im selben Haushalt leben.

Dabei sollten natürlich gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden und zum Beispiel keine gemeinsame Zahnbürste benutzt werden, da hier über kleinere Verletzungen beim Zähneputzen ein niedriges Infektionsrisiko vorhanden sein kann.

Risikoreich sind hingegen intime Beziehungen – gleichgültig ob hetero- oder homosexuelle. Grundlage eines effektiven Schutzes vor einer HIV-Infektion ist die konsequente Anwendung von Safer Sex.

Safer Sex – Kondome schützen

Die Grundregel von Safer Sex ist ganz einfach: Keine der infektiösen Flüssigkeiten Blut, Sperma oder Vaginalsekret darf auf Schleimhäute oder verletzte/erkrankte Haut gelangen. Beim Anal- oder Vaginalverkehr müssen also Kondome verwendet werden. Für den Partner besteht ohne Kondom ein großes Infektionsrisiko, da immer kleine Verletzungen beim Verkehr entstehen können. Beim Oralverkehr ist wichtig, dass kein Sperma oder Vaginalsekret auf die Mundschleimhaut, Zunge oder Lippen gelangen. Küssen ist ungefährlich, da es sich bei HIV nicht um eine Tröpfcheninfektion handelt.

Werden diese Vorsichtsmaßnahmen beachtet, ist ein Zusammenleben unbedenklich.